BREVET 600 km - Start/Ziel Haid
31. Mai/1. Juni 2008

Fotos: Ferdinand Jung

 

Dieses Jahr sind 5 Serenos um 7.00 Uhr am Start in Haid gestanden: Michl, Andreas, Josef, Gerold und Christian - und vorweg: alle haben gefinished!


Christian zum 600er Brevet:

Nachdem ich mich beim 400er Brevet mit meinem tschechischen Crossrad ziemlich geschunden hatte (mein Kreuz war noch ein paar Tage danach ziemlich beleidigt), beschloss ich, mir noch schnell vor dem 600er-Brevet mein altes Specialized Allez wieder aufzubauen.

Bedingt durch verspätetes Eintreffen einiger Teile wurde daraus eine Donnerstag Nacht Aktion, Freitag Nacht vor dem Brevet habe ich vor lauter Kopfweh kaum geschlafen und entsprechend frisch stand ich, unterstützt durch ein mir vom Wirt unseres Gasthauses verabreichten Spitzenproduktes der Pharamindustrie (was auch immer es war, es hat einigermaßen geholfen) am Start.

Nachdem ich letztes Jahr den 600er aufgrund eines massiven Motivationsdefizits versemmelt hatte, war heuer meine Einstellung eher von Demut und Vorsicht geprägt. Das ging bis ins Gusental auch einigermaßen gut, dann gingen mir wieder einmal die Gäule durch und ich fuhr mit Gerold, Andreas, Michl, Josef und Hermann die geschmierte Steigung in einem viel zu schnellen Tempo bergauf.

Allmählich gewann mein Selbsterhaltungstrieb wieder die Oberhand und nach der ersten Kontrolle in Reichenau ließ ich es langsamer angehen.

Selbst als mich Gerold und später Josef einholten fuhr ich mein Tempo weiter, was mich zwar einige Überwindung, aber dafür nicht wie schon so oft bei früheren Ausfahrten meine letzten Körndln kostete.

Die Spagetti in Langegg, die ich in Gesellschaft von Josef und Gerold verzehrt habe, waren hervorragend al dente und das Sugo ausgezeichnet, herzlichen Dank den freundlichen Spendern, und bei meiner geregelten Suchtgiftaufnahme trafen auch die anderen Teilnehmer des Brevets ein.

Da ich jedoch bei sportiven Anlässen nur Zigarillos und keine ausgewachsenen Zigarren rauche, bin ich alleine aufgebrochen und habe mit einigen Umwegen und dem Beginn meiner Testserie: "Die Biergärten Niederösterreichs und der Ausschank von alkoholfreiem Bier in ebendenselben" schlussendlich Horn erreicht.

Ein Clausthaler in einem Biergarten und ein Clausthaler auf einer Tankstelle: beides probiert - kein Vergleich!

Ferdinand und seine "Jungs" sind dann auch eingetrudelt, und so ging es gemeinsam das Kamptal hinunter und durch die Steppe Richtung Tulln.

Apropos Gesudere: lieber Altenwörth bei Überschwemmung als Tulln mit Rückenwind (den gab es ohnehin nicht, eher das Gegenteil).

Nach kurzen Differenzen, die exakte Strecke betreffend, vertraute die Gruppe ihrem "local guide" (mir!) und wir erreichten Michelndorf.

Dort wartete schon meine Freundin Brigitte mit Getränken aus der Kühltasche auf mich.

Die Aussicht auf eine Pizza trieb mich jedoch weiter und so fuhr ich bis Böheimkirchen, wo ich Gerold und Brigitte wieder traf, die bereits in einem Lokal auf mich warteten.

Gestärkt fuhren wir weiter, ich etwas langsamer als Gerold , weil ich meine eben erst verzehrte Pizza heil über die Durlas bringen wollte.

In Kleinzell schlugen wir unser Nachtlager auf, wie sich später herausstellte, beinahe im Vorgarten eines am Straßenrand liegenden Gehöftes, und gönnten uns etwa 4 Stunden Schlaf.

Nach einem ausgiebigen Frühstück (schön langsam höre ich mich an wie der Gerold) und einem netten Plausch mit der Bäuerin (Da Bua hod g'sogd: mia miassn leise sein weu do schlofn wöche unterm Nußbam!) nahmen wir die restlichen Kilometer unter die Räder, bis zur Kalten Kuchl gemeinsam, dann fuhr jeder sein Tempo.

Die Straßen waren trotz der frühen Stunde gesäumt von Pilgern und in Mariazell war schon einiges los.

Gerold plünderte das Frühstücksbuffet (ich glaube er steht jetzt bei den Wirten in Maraizell und Umgebung auf der schwarzen Liste) Brigitte und ich genehmigten uns einen Espresso und weiter gings, durchs Salza Tal Richtung Wildalpen inklusive Fortsetzung der Feldforschungen österreichischer Biergärten und ihr Angebot an alkoholfreiem Bier betreffend.

Es rollte ganz gut dahin, bis kurz vor Lassing irgendwelche Typen vor mir die Straße in die vertikale kippten, was sich auf dem "Singletrail" Richtung Hollenstein zu einer veritablen Kletterpartie ausweitete.

Die Gegend ist atemberaubend, die Steigungen ebenfalls, und so machte es fast Sinn, dass ich mir meinen Kontrollstempel in der Rot-Kreuz-Station in Hollenstein holte.

Auf der Weiterfahrt nach Weyer traf ich einige Nachzügler des Waidhofener Radmarathons, die aber anscheinend selbst schon ein wenig zu gepeckt waren alsdass sie mir hätten Windschatten spenden können.

Maria Neustift ließ mich an ein Verwandtschaftsverhältnis von Ferdinand mit dem Veranstalter des Erzberg-Rodeos glauben, den Anstieg überlebte ich nur Dank eines Fußbades im nahegelegenem Bach.

Kurze Abfahrt und das wars - mitnichten!! Maria Neustift kommt erst einen Hügel später.

Fortsetzung der wissenschaftlichen Untersuchungen (siehe oben), Weiterfahrt.

Nach Steyr tut sich versorgungstechnisch die Pampa vor einem auf:

Wasser nur bei privaten Haushalten, Nahrungsaufnahme beschränkt auf mitgebrachte Gels und Riegel (Yukk, ich kann die Dinger nicht mehr sehen, geschweige denn hinunterkriegen), das Eisgeschäft in St. Florian verdankt mir daher einen Gutteil seines Tagesumsatzes und ich ihm meine seelische und körperliche Errettung von den Grausamkeiten der Sporternährung.

Noch ein kurzer Ausflug durch die Wälder und Hügel Ansfeldens, ein beherzter Sprint durch Haid und ich hatte meinen ersten 600er geschafft.

Chapeau allen Mitfahrern, herzlichen Dank an Edith (Kartoffelgulasch ist eine Speise für Götter und Brevetfahrer!) und Ferdinand (ma sogd jo nyx, my red jo nur) und Dank allen, die durch ihren Einsatz an den Kontrollstellen und Laben dieses Erlebnis möglich gemacht haben.

Gesamtzeit: 34h 09min

 

Josef zum 600er Brevet:

Ich habe mir vorgenommen, den 600er heuer duchzufahren und habe es auch geschafft.
Die ersten 40 km in der Gruppe, dann bis auf wenige Ausnahmen 570 km Solofahrt.

Die Auffahrt Ochssattel, Gscheid war sehr mühsam: habe für 100 km ca. 7h gebraucht.

Insgesamt sicher das härteste Radrennen, das ich je gefahren bin.

Meine Gesamtzeit betrug 30h 15min die Netto Fahrzeit 25h 26min.

 

Gerold zum 600er Brevet:

Edit und Ferdinand haben das wieder toll organisiert - das Service (besonders die Farbpfeile auf der Strecke und die Zielverpflegung) ist wirklich einmalig.

Ansonsten war allerbestes Radwetter, nur die Strecke zwischen dem Kamptal und Tulln hat mich (wie immer) angezipft - flach und Gegenwind, aber der Reihe nach:

Ich hab gleich beim ersten Anstieg abreissen lassen und bin bis zum Schluss mein Tempo gefahren.
Dank auch an die Spagetti-Kocher bei der 2. Kontrolle - das nördliche Waldviertel ist ja essensmäßig ziemliches Niemandsland. Kamptal war noch ok, Tullnerfeld s.o., bin dann aus Frust beim McDonalds in Tulln eingekehrt, weil ich irren Guster auf einen Milchshake hatte. Gegenüber hat schon Brigitte gewartet und ich bin dann mit Josef bis zum GH in Mitterndorf gefahren - nur hat mich dort die Speisekarte nicht angelacht.

Eine Pizzeria in Böheimkirchen hat mir da schon besser zugesagt und ich hab zusammen mit Brigitte und Christian getafelt und wir haben uns dann noch für die (kurze) Nachtfahrt gerüstet.

In Kleinzell gab es ein Nachtlager und um 5.30 (nach einem Kaffee-/Müsli-/Studel-Frühstück) waren Christian und ich wieder am Rad. Oben am Gscheid waren schon Horden von Mariazell-Pilgern unterwegs und ich habe mich nur am Frühstücksbuffet im Hotel bei der 4. Kontrolle versündigt - aber wer einem hungrigen Radfahrer um 5 Euro so etwas anbietet...

Dafür konnte ich mich auf den nächsten km wieder mehr dem Radeln als dem Essen widmen und erst bei der Abzweigung von der Ybbstal-Straße rüber nach Weyer konnte ich einem Kombiangebot Kuchen/Kaffee nicht widerstehen. Ein kurzes Stück bin ich zusammen mit Teilnehmern des Waidhofner-Radmarathons gefahren und dann kam noch ein unerwartet schwerer Anstieg nach Großgschnaidt - gut, dass ich hier das 3. Blatt vorne hatte.

Ja und bei der Abfahrt von Maria Neustift Richtung Steyr hat mich halt der Bach angelacht und bei einer Brücke gab es betonierte Stufen runter und unten war es tief genug, ein paar Mal unterzutauchen - das erfrischt.

Und 15 km vor dem Ziel wollte ich noch einmal die Flasche auffüllen und wurde gleich zu Kaffee und Kuchen eingeladen - da gebietet es schon die Höflichkeit, nicht abzusagen...

Insgesamt 5.200 Höhenmeter (also umgerechnet kaum mehr als bei PBP) und knappe 24 Stunden reine Fahrtzeit, den Rest habe ich mit div. Pausen und Schlafen (und Essen!) verbraucht, das Zeitlimit bei solchen Brevets ist ja sehr großzügig.

Da ich schon noch hätte weiterfahren können, fühle ich mich für Rußland ganz gut gerüstet - Baden wird man in den zahllosen Seen Kareliens schon können, nur um meine Nahrungsaufnahme mache ich mir Sorgen...

Gesamtzeit: 33h 09min

(Unwesentliche inhaltliche Ergänzungen und Hervorhebungen von Brigitte)

 

Michl zum 600er Brevet:

Bis km 330 bin ich in einer dreier Gruppe mit Hermann und Andreas gefahren. Bis dahin lief alles nach Plan - die Hitze und der immer stärker werdende SO Wind von Gmünd bis in die kalte Kuchl einmal ausgenommen... - aber das kann man sich eh nicht aussuchen.

Andreas konnte/wollte bei den ersten Hügeln dann nicht mehr folgen.
Kurz darauf war auch bei mir Schluß. Die Beine haben zugemacht und erholten sich bis ins Ziel nicht mehr...

Da dann schnell klar war, dass ich meine mir selbst gesteckte Zielzeit nicht mehr erreichen konnte, bin ich halt gefahren was ging, und habe mir sogar zwei Schlafpausen (einmal 40 und einmal 50 Minuten auf einem Heurigenbankerl im Freien und in einer Bushaltestelle), sowie in der früh bei einer Tankstelle ein ausgedehntes Frühstück gegönnt.

War dann schlussendlich um 08:36 nach 25:36 Stunden im Ziel. Andreas kam so 20 Minuten nach mir.
Dass wir uns in der Nacht gegenseitig mehrmals überholt haben ohne es mitzubekommen haben wir erst im Ziel festgestellt...

Fazit: Anspruchsvolle Runde - die, wenns einmal nicht so läuft wie mann es gerne hätte, ziemlich weh tun kann...
Respekt vorm Hermann - der fährt wirklich in einer anderen Klasse (23 Stunden) - und das war sicher noch nicht alles was der drauf hat...
Freue mich für den CW das er den 600er bezwungen hat - und für alle anderen natürlich auch ein dickes Lob!

Danke wie immer an den Organisator und speziell auch an die Edith, die hier immer sehr viel Zeit investiert, um sich um uns zu kümmern.

Gesamtzeit: 25h 36min

 

Andreas zum 600er Brevet:

330km mit Michl und Hermann mitgefahren, viel mehr als mitfahren war leider nicht möglich - daher auch recht herzlichen Dank den beiden fürs Mitnehmen.

Die Verpflegung von Mama Michl bei Tulln rettete mich dann vor dem Zusammenbruch, die Hitze und das hohe Tempo war nicht ganz einfach zu verkraften, Pasta und eineinhalb Liter Mineralwasser brachten aber eine deutlich Besserung, vielen Dank auch dafür.

Nach diesem ersten Abschnitt durchs Waldviertel und nach Tulln gings in die Berge, einige Zeit verbrachte ich noch damit, bei diversen Kontrollen und Gasthäusern zu trinken um dann die Nachtfahrt anzutreten.

Das Gschaid bei km 400 war ziemlich brutal aber noch fahrbar, gegen Mitternacht war ich dann in Mariazell, wo ich mir in einem Lokal meinen Stempel holte, sehr zur Belustigung der letzten (zwei) Gäste und sehr zur Verwunderung der Wirten, die nur ein Kopfschütteln für mich übrig hatten, vor allem als ich ihnen sagte, was noch zu absolvieren war.

Danach hab ich Michl getroffen und überholt, er hatte bereits seine erste Schlafpause absolviert. Allerdings ruhte ich mich danach auch eine zeitlang im Foyer einer Bank aus, daher war Michl wieder vor mir. Die Fahrt durchs Salzatal war super, ruhig und bis auf ein Reh und ein mir unbekanntes Tier, das mit den Krallen einen Meter vor mir über die Straße wetzte, störte nichts meine Fahrt.

Etwas überrascht war ich dann von den folgenden Hügeln: Auffahrt nach Hollenstein (länger und länger wurde es) und der Hügel vor Maria Neustift (vor der eigentlichen 2km langen Auffahrt). Die letzten km waren bekannt vom 300er Brevet und ich verbrachte die Zeit (dachte es wäre leichter) mit der Suche nach Wasser, allerdings fand ich erst bei St. Florian eine Quelle. Der letzte Hügel nach Ansfelden war dann auch noch mal sehr anstrengend, aber so kurz vorm Ziel .....

Fazit: 600km mit 5.500 HM (Polar), eine sehr gute Vorbereitung für Italien, wo noch mehr Hitze und Höhenmeter auf uns warten werden.

Gratulation an alle Finisher, es war nicht wirklich leicht, hoffe es ist keiner ins Gewitter gekommen am Sonntag Nachmittag.

Vielen Dank gebührt natürlich auch noch Edith und Ferdinand für die ganze Arbeit, die sie mit den Brevets hatten, es war wie immer perfekt.

Gesamtzeit: 25h 50min

Michl und Andreas im Ziel

Super Leistung, diese Strecke in dieser Zeit zu bewältigen!

Gratuliere, Brigitte

 
Einen weiteren Bericht gibt es auch von Ferdinand Jung.
 


zurück