Ironman-Austria 2008

ein Bericht von Bernd

 

Date: 13.07.2008
Time: 04:30
Conditions: mostly cloudy but warm
Mission Briefing: Finish 9th Ironman Austria®; Sub 13 hours and go to next level; Start at 07:00 am; estimated arrival 19:59 pm.

So (oder so ähnlich) könnte man das Ziel für meinen Hauptwettkampf für das Jahr 2008 beschreiben, wäre man ein computerspielverrückter, amerikanischer Drillseargent...

Jedenfalls, wie bereits zu 9 Gelegenheiten zuvor, läutete meine Aufweckmaschine pünktlich um 04:30. Kurzes, herzhaftes Frühstück, und dann die erste Disziplin des heurigen Ironman: Einsetzen der erstmalig im „scharfen Schuss“ verwendeten Kontaktlinsen. Diesbezügliches Kurz-Resümee: Viel zu kleine Augen und viel zu große glitschige Scheißerchen diese Kontaktlinsen...
(Anmerkung des Verfassers: Heute - 3 Wochen später - ist mir als nunmehr geübten Kontaklinsenerer klar, dass die linke Linse wohl verkehrt eingesetzt wurde; i.e. Verbesserungspotential für das Folgejahr)


Auf dem Weg nach Klagenfurt konnten mein Team (das im übrigen das beste Team der Welt ist) und ich bereits feststellen, dass man wettermäßig an diesem Tag hoffen mußte, keinen Regenwettkampf serviert zu bekommen. Aber erstens ist das Leben wie eine Schachtel Pralinen (Forrest Gump) und zweitens der Ironman-Austria kein indoor Kindergeburtstag. (Obwohl, jeder der schon einmal bei einem Kindergeburtstag als Aufseher tätig war weiß, dass man das nicht unterschätzen sollte.)

In Klagenfurt alles mit Routine erledigt:

Lulu, dann zum Rad, dann Lulu, dann ins Strandbad, dann in der Lulu-Schlange angestanden, dann Neopren angezogen, dann lu..., natürlich nicht, Neopren wieder ausgezogen ...




Schlussendlich Küsschen für den Executive Director des weltbesten Teams (Anna, die nie im Bild zu sehen ist) und High Five mit den anderen, Schwägerin Judith (Fan der ersten Stunde) und Toni (Neu infizierter Ironman Rookie in Spe). Und ab geht es durch den Startbogen, über die Registrierungsmatte in den Startbereich!

Klatschen, Summen, nervöses dem Herrn Pfarrer Lauschen, aufmunterndes Kopfnicken, pünktlich 06:58 das Gefühl doch noch einmal kurz Lulu gemusst zu haben unterdrückt... und dann los

07:00 Startschuss:

 


Heuer (erstmals!!) pünktlich um sieben Uhr geht die Kanone los, und ich auch. Geradeaus bis zur ersten Wendeboje 1.400m immer Richtung Pyramidenkogel, den Mitte der siebziger Jahre ein vorausschauender Architekt als Orientierungshilfe für uns Triathleten gestaltet hat, dann nach links in Richtung eines gut sichtbaren Schlösschens am Wörthersee für 400m, dann 1.100m Richtung Lendkanal und schließlich 900m Pirranha Fütterung mit geschätzten 300 Stück hochmotivierten AgegroupErinnen auf 4m Breite: „Yeah, Baby, Kung Fu Panda ich komme...“

Raus aus dem Wasser in 1:18: und a bissi was; 08:23: Husch Husch aufs Radl!

 


Am Rad lief es von Anfang an hervorragend: Ich aß - ich trank - ich trat - ich aß - ich trank - ich trat und war schon beim ersten Anstieg nach Egg/Faakersee 10 min vor der Zeit ...


So ging es im wesentlichen weiter bis zur ersten Wende, mittlerweile bereits von oben umsichtiger Weise wassergekühlt bis zum zweiten mal Ruperti-Berg (mein spezieller Freund). Der hat sich für heuer etwas lustiges ausgedacht und ließ kurzerhand die Welt beinahe untergehen. Bergab mit 50-60 km/h im sturzbachartigen Regen.

 


Herzallerliebstes Detail am Rande: In Buswartehäuschen rotteten sich unterkühlte Kalifornier mit ebensolchen Spaniern wie kleine, bunte Schafherden zusammen, um sich gegenseitig Trost und Körperwärme zu spenden.

Ich jedoch war zu diesem Zeitpunkt noch immer 5 Minuten vor dem erhofften 30iger Schnitt und konnte daher dieses Naturschauspiel nur am Rande beachten, während ich mich der T2 (zweite Wechselzone) näherte! (Der interessierte Leser möge sich Details in der TW1 Zusammenfassung ansehen, ich hoffe sie haben das im Bild festgehalten.)

4 Minuten vor den geheimen Wünschen (Rad: 5h 56') erreichte ich schlussendlich Klagenfurt und wechselte zum Auslaufen.

Das diesjährige Laufen war - wie kann man es am besten kitschvermeidend in Worte kleiden - eine überwältigende Selbsterfahrung, die auf sportlicher Ebene eben dann zu Stande kommt, wenn das bange Hoffen während der Vorbereitung alles richtig gemacht zu haben, nach und nach der Gewissheit weicht...

 


Sicherlich war der Marathon auch heuer wieder das anstrengendste Kapitel der gesamten Geschichte, aber spätestens ab dem „Halben“ hab ich mich bei jedem Blick auf die Uhr gefragt, was ich wohl mit der ganzen Zeit anfangen solle. Es liegt mir fern theatralisch auftrumpfen zu wollen, aber auch dieser Umstand kann Dankbarkeit und Demut erzeugen.

Meine Dankbarkeit für mein Team, speziell für meine Teamchefin-Anna und natürlich allen, die mir die Daumen gedrückt haben.



Wie hat ein gewisser Herr Clerici im Vorjahr vor laufenden ORF-Kameras gesagt: „Ich mein wir retten ja hier nicht die Welt!“

Das stimmt wohl, aber Jahr für Jahr erfüllen sich im Juli in Klagenfurt rund 2.000 kleinere oder größere sportliche (Lebens-)träume...


Fazit 2008: 12 Std. 17 min. 58 sek. und für 2009 bereits gemeldet

 


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