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Circuit des Alps 05. -09. Juli 2010

in 6 Tagen über 20 Pässe, 20.000 Hm und 750 Km
in den französischen Alpen

ein Bericht mit Fotos von Peter K.

Morzine – Les Saisies über Col de la Colombiere, Col de la Croix-Fry, Col des Aravis mit Bergankunft am Col des Saisies.

Vom Veranstalter mit GPS-Gerät ausgerüstet, verpasste ich trotzdem gleich bei der ersten Abfahrt zwei Abzweigungen, was meine Km- und Höhenmeterzahl für die erste Etappe unfreiwillig erhöhte. Die Gruppe war auch weg und so kämpfte ich mich alleine bis ins Ziel durch. Ein Laufraddefekt (von Marianne schon daheim prognostiziert!)  erschwerte zusätzlich meine Fahrt am letzten Pass. Gezeichnet von den Anstrengungen stürzte ich mich auf die Köstlichkeiten des bereitgestellten Buffets und versuchte mit Carboloading das Geschehene abzuhaken.
Fazit des ersten Tages: Schaue regelmäßig auf dein GPS und höre (manchmal) auf deine Frau!

Les Saisies – Val d`Isere über Col du Pre, Cormet de Roseland, Petit Bernard mit Bergankunft in Val d´Isere.

Mit meinem Ersatzlaufrad lief´s gleich besser. Der Fahrtwind kühlte den bereits frühmorgens erhitzten Körper während der ersten Talfahrt bis Beaufort (Produktionsstätte dieser wunderbaren Käsesorte, die wir mehrmals genießen durften). Im folgenden, steilen Anstieg zum Col du Pre (einer von der Sorte „Quäl dich, du …!“) zerriss das Feld in Kleingruppen und Einzelfahrer. Auf der Passhöhe angekommen, öffnete sich vor uns eine herrliche Landschaft unter tiefblauem Himmel. Vorbei an einem Stausee bot die Flachpassage kurze Erholung vor dem folgenden Anstieg zum Cormet de Roseland.

Nach 21km Abfahrt in Bourg-St-Maurice angekommen, stellte sich uns der Kleine St.Bernhard entgegen. Zwar 23km lang mit 1400Hm, aber ohne wirklich steile Passagen. Der Blick auf den Mont Blanc von der Passhöhe war´s wert, hinauf zu fahren. Auf der Abfahrt zur Abzweigung nach Val d´Isere kam uns ein überholendes Auto gefährlich nahe. Durch die erforderliche Notbremsung machte unser erster Fahrer einen Abgang über den Lenker auf die Motorhaube. Zum Glück ist nicht viel passiert, die franz. Lenkerin musste sich nur unsere nicht sehr netten Ausdrücke anhören und verschanzte sich vorsichtshalber hinter ihrem Lenkrad.

Val d´Isere – Valloire über Col de l´Iseran (Dach der Tour mit 2770m), Col du Mt.  Cenis und Col du Telegraph.

Essen – Radfahren + Essen – Essen – Schlafen: in dieser Reihenfolge zur Routine geworden, prägten den Tagesablauf. Radfahren und Ernährung gelangen schon recht gut, der Schlaf kam infolge der Höhenlage unserer Quartiere (zwischen 1000 und 1800Hm) zu kurz. Das war nahezu jeden Morgen spürbar.
Diese Etappe verlief ruhig bis zum Anstieg auf den Telegraph. Hier entwickelte sich ein Ausscheidungsrennen über 12km mit der (unausgesprochenen) Devise „Wer schafft es als erster zum Buffet“!

Ergebnis: Wäre die Verpflegungsstelle auf der Passhöhe aufgebaut gewesen, hätte ich als erster zugreifen können – leider gab´s da noch eine 4km Abfahrt bis Valloire, bei der ich auf Grund meines Gewichtsnachteils von meinen deutschen Freunden wieder eingeholt wurde. So rollten wir gemeinsam ins Ziel und tranken ein Friedensbier.

Die Truppe entwickelte sich immer mehr zu einem harmonischen Team! Muskelschmerzen verbinden!

Valloire – Alpe d´Huez über Col du Galibier, Les Deux Alpes und dem Schlussanstieg zur Skistation Alpe d´Huez.

Diese vergleichsweise kurze Etappe (nur 98km) wurde vom Teilnehmerfeld vorab als Regenerationsfahrt abgetan. Allerdings ließen die über 3000Hm in brütender Hitze nicht wirklich eine Erholung zu!
In Erinnerung ist mir die landschaftlich wunderschöne Fahrt von Les 2 Alpes entlang der Felsen vorbei an tiefen Schluchten bis ins Tal nach Bourg-d´Oisans geblieben. Über die Schönheit der Auffahrt nach Alpe d´Huez kann man diskutieren, ein Mythos mit Tour de France-Flair ist sie allemal und nach 21 Kehren oben angekommen, fühlt man sich einfach überwältigt!

Alpe d´Huez – Albertville über Col du Glandon, Col de la Croix de Fer, Col de la Madeleine.

Eine Königsetappe vom Feinsten: Abfahrt von Alpe d´Huez entlang bizarrer Felsen auf der einen und senkrecht abfallender Schluchten auf der anderen Seite, vorbei an Stauseen mit kitschig blauem Wasser, hinauf den hammerharten Anstieg zum Col du Glandon (der tat mir echt weh mit einer 16%-Rampe unmittelbar nach einer kurzen Abfahrt zwischendurch, kombiniert mit einem Hungerast!). Lebensrettend schließlich die Verpflegungsmöglichkeit kurz vor der Passhöhe. Noch ein kurzer Abstecher zum Croix de Fer (kein Pass darf schließlich ausgelassen werden!) und dann in einer kurvenreichen Abfahrt über 22km nach La Chambre am Fuße des Col de la Madeleine. Rasch ein Gel hineingequetscht, den Kopf in den Dorfbrunnen gesteckt und rein in die 20km-Südrampe. Nach meinem Einbruch am Glandon lief´s jetzt wieder prächtig. Ein Hochgenuss, inmitten von Almenwiesen ohne störenden Verkehr hoch zu kurbeln.

Oben ein Fotostop und anschließend auf einer rasanten Abfahrt hinab ins Tal nur nicht den Anschluss an die Gruppe verlieren, wohlwissend, dass noch 25km Gegenwindfahrt bis zum Zielort bevor stehen.

Albertville – Morzine über Col d Tamie, Col de la Forclaz, Col de Fleuris, Col de l`Encrenaz.

Das Hochgebirge haben wir hinter uns gelassen, die Anstiege werden kürzer, manchmal knackiger, die Höhenmeter in Summe nicht weniger. Längere Flachstücke könnten etwas mehr Zeit zur Erholung geben, jedoch das nahende Ziel vor Augen machte verloren geglaubte Kräfte zum Tempobolzen frei – die Einfahrt in Morzine schließlich löste Gefühle unendlicher Zufriedenheit und Euphorie aus.
Wer wollte, konnte noch eins draufsetzen mit dem Schlussanstieg zur Skistation nach Avoriaz (17km und 800hm).

Man soll´s ja nicht übertreiben, dachte ich mir und stieß mit der supernetten Truppe auf die gelungene Woche an!

Lob gebührt dem Veranstalter, www.miles-radsport.de für die Organisation, die ohne viel Aufsehen in aller Ruhe perfekt funktioniert hat.

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