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Freiburg – Nizza 2011

Radfernfahrt in 9 Tagen über 1.260 km und 19.100 hm

Rückblick 2011 – Ausblick 2012

Es gibt viele Wege, die vom Genfer See aus nach Nizza führen. Der bekannteste ist wohl die Route des Grandes Alpes über die zahlreichen Hochgebirgspässe Frankreichs.

Wir wählten diesmal eine sanfte, aber ebenso reizvolle Variante. Von Freiburg im Breisgau rollten wir am ersten Tag in rel. unspektakulärer Landschaft entlang des Rheins bis ins schweizerische Biel. Einzig einige rücksichtslose Autofahrer auf Schweizer Gebiet brachten Unruhe in unsere zügig dahin radelnde Gruppe und veranlassten unsere Schweizer Radfreunde zu amüsant klingenden Zurechtweisungen ihrer Landsleute auf „Schwyzerdütsch“.

Der 2.Tag begann so wie der erste: leicht welliges Terrain bis zur Abfahrt zum Lac Leman. Der Blick nach jeder Kehre auf das nahende Montreux im gleißenden Sonnenlicht ließ erstmals Radurlaubsstimmung aufkommen. Über den ersten nennenswerte Pass (Pas de Morgins, 1371m) gelangten wir auf franz. Staatsgebiet, wo wir in einem romantischen Dorf nächtigten.

 

Am nächsten Morgen lagen zarte Sonnenstrahlen über dem Val de Dranse und weckten freudige Erwartungen in uns auf den ersten bekannteren „Tour de France-Berg“, den Col de la Colombiere. Es sollte eine Hitzeschlacht werden bis hinauf zum Pass auf 1600m (16km, 1100hm). Die Abfahrt in kurz/kurz brachte nur wenig Abkühlung.

Marianne dürfte schon mit einem Infekt in die Tour gestartet sein und zog es im Hinblick auf den Mount Ventoux vor, den heutigen Tag im Begleitbus zu verbringen. Mit Wehmut musste sie den landschaftlichen Hochgenuss im Vercors vom Busfenster aus erleben: mittellange Passstraßen mit angenehmen Steigungsprozenten, einsame, schmale, verkehrsarme Straßen mit überhängenden Felsen durch bizarre Schluchten und stockfinstere Tunnels.

Mittlerweile hat sich die Hackordnung in der Gruppe gefestigt, jeder kannte „seine Gegner“, und doch war frühmorgens ein Knistern bis hin zum Anstieg auf den Mount Ventoux zu spüren. Keiner wollte Führungsarbeit übernehmen. Als die ersten versuchten, aus ihrer Trikottaschen ihr Gel rauszuziehen und eben dieses umgehend reinzuquetschen, war klar: die Schinderei kann beginnen. Auf den 21km mit 1000hm ab Bedoin zerriss das Feld sehr bald. Irgendwann dazwischen kämpfte jeder nur noch mit sich und dem Berg (Wetter war super) und am Ende strahlten alle um die Wette. Marianne musste besonders ihre Leidensfähigkeit ausreizen – ihre Bronchitis kam voll zum Ausbruch – Rennrad samt Reiterin in den Bus verladen – Antibiotika statt Powerbar – Kamillentee statt Rotwein – die restlichen Tage Schonung im Begleitfahrzeug.

Der vorletzte Tag führte uns vorbei an einem Stausee direkt zum Eingang der Gorges de Verdon. Wer diese imposanten Schluchten noch nicht kannte, erwartete eine Flachetappe entlang von Gewässern – mitnichten, es wurde eine Kletterpartie mit knackigen Anstiegen, dafür mit genussvollen Tiefblicken.

Meeresluft umwehte die Nasenlöcher – das Ziel nicht mehr fern. Unruhe machte sich im Feld bemerkbar: Am Col de Vence, dem letzten Anstieg vor Nizza, attackierte die Deutschlandfraktion. Eher ungewöhnlich auf einer Schlussetappe einer Tour. Im Wissen des Höhenunterschiedes ließen wir sie vorerst gewähren. Zu rechter Zeit bildeten Schweiz und Österreich eine Personalunion und nahm die Verfolgung auf. Guisep, ein hervorragender Windschattenspender, zog mich mit letzter Kraft zu den Ausreißern, verschärfte nochmals das Tempo, scherte aus und überließ mir im letzten Anstieg die deutsche Beute. Perfekte Teamarbeit erfolgreich zu Ende gebracht – auf die Eidgenossen ist halt Verlass. Die Aktion hat Spaß gemacht und mich ein paar Bier für die Wasserträgerdienste gekostet – aber was unternimmt man nicht alles um unseren deutschen Nachbarn zu zeigen, wo´s lang geht.

In Nizza rollten wir friedlich nebeneinander ein, prosteten uns an der Rue de l´Anglais am Strand von Nizza mit einem Glas Sekt zu und genossen es, gemeinsam unser Ziel erreicht zu haben.

Ein Radurlaub mit liebenswürdigen Gleichgesinnten fand ein bewegendes Ende. Weil es so schön war und Marianne leider wegen ihrer Erkrankung die Tour nicht wirklich genießen konnte, beschlossen wir, die Fahrt von Freiburg nach Nizza 2012 zu wiederholen. Diesmal wird die Route über die franz. Alpen führen, wo uns ein herausforderndes Bergauf und Bergab erwartet.

Wir werden berichten.

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