office@rc-sereno.at

Paris – Brest – Paris 2007 (Michl)

ein Bericht mit Fotos von Michl

Folgend ein kleiner Bericht meiner Prüfung (Brevet), so wie es dieser Tage von 5162 Randonneuren weltweit erzählt wird. So viele Teilnehmer waren nämlich am Start.

Da geht es hin… 😉

Willkommenstafel Start/Ziel

Gruppenfoto Österreichische Teilnehmer

Start um 20:00 Uhr in der ersten von drei Startgruppen.
Die ersten 15 km werden neutralisiert gefahren.

Km 8: 1. Vorderraddefekt. Sogleich kommt ein etwa 70jähriger Brite und bietet seine Hilfe an.
Hmm, denke ich mir, fängt ja schon gut an… aber was solls – auf 1225 km 10 Minuten für einen Schlauchwechsel zu verlieren – soll nichts Schlimmeres passieren. Fahrt wird wieder aufgenommen -> Die 2 Startgruppe holt mich gleich darauf ein.
Km 22: 2. Vorderraddefekt… Gut, daß man auf einer solchen Strecke 2 Schläuche mitnimmt… 😉
Reihe mich hinter der 3. Startgruppe wieder ein.
Die Dunkelheit setzt ein. In dieser Gegend Frankreichs ist es nachts wirklich dunkel -> da sieht man links und rechts des Lichtkegels nicht wirklich was.
Bis zur ersten Kontrolle bei km 221 läuft es ganz gut mit über 30ig Schnitt. (Sind auch viele große Gruppen unterwegs, mit denen man gut mitfahren kann.)
Bei der ersten Kontrolle entledige ich mich meines Regenschutzes, da es bis zu diesem Zeitpunkt trocken war.
Just in dem Moment, in dem ich die Fahrt wieder aufgenommen habe, beginnt ein Platzregen und ich bin bis auf die Knochen nass -> das wird nicht das letzte mal gewesen sein auf den restlichen 1000 km…
Irgendwo kurz vor Fougeres übersieht ein Franzose auf regennasser Abfahrt ein Schlagloch und kommt zu Sturz. Ich kann nicht mehr rechtzeitig bremsen und falle quasi im Stehen über ihn drüber. Mir und meinem Rad ist nichts passiert – außer wieder ein wenig mehr nass geworden zu sein – der Franzose sieht dagegen etwas mitgenommener aus. Auf meine Frage auf Deutsch und Englisch, ob er sich etwas getan habe, bekomme ich nur verständnislose Blicke zurück, sodass ich meine Flaschen unter geparkten Autos hervorhole und mich anschicke, meine Fahrt fortzusetzen. Die mittlerweile stehengebliebenen und des französisch mächtigen Mitstreiter deuten mir, daß der Kollege ok ist…
Ein mir nicht erklärlicher Einbruch nach so etwa 320km lässt mich für die nächsten ~ 2 Stunden nur einen sehr bescheidenen Schnitt fahren.
Ein paar Regengüsse zwischendurch sorgen dafür, daß meine Kleidung ja keine Chanche bekommt, trocken zu werden. Und mir wird immer kälter… Nach ein paar Anfällen von Schüttelfrost treffe ich in Tinteniac ein – km 448.
Ich weiß nicht, was ich machen soll -> keine Betreuung, das heißt, keine trockenen Sachen und vor allem Schuhe etc. Ich denke das erste mal ans Aufhören…
Bis jetzt bin ich bei jeder Kontrolle stehen geblieben und habe versucht, mich so gut wie möglich trockenzulegen und aufzuheizen.
Hier jetzt einmal meinen Respekt vor den vielen Freiwilligen, die sich hier die Tage und Nächte um die Ohren schlagen und sich um die übernächtigten, hungrigen und nicht gerade wohlriechenden Randonneure stets gutgelaunt kümmern -> Chapeau!!!
Unschlüssig was ich machen soll, treffe ich auf der Kontrolle Andreas, der 1 1/2 Stunden später gestartet ist und mit dem ich mir die Tage zuvor in Paris das Zimmer geteilt habe.
Ich erzähle ihm, dass ich ans Aufhören denke und er ‚überredet‘ mich, mit ihm und einem Engländer namens Mike weiterzufahren. Gemeinsam werden wir die nächsten ~ 800 km fahren.
Ab jetzt immer wieder das gleiche Spiel. Regen und Trockenheit wechseln sich ab – das Gewand trocknet langsam auf (mit Ausnahme der Schuhe und Sitzpolster / 2 beim Radfahren nicht gerade unwichtige Teile) – je trockener es wird, desto mehr entledigt man sich der unnötigen Bekleidung.
Sprich Regenjacke an, Regenjacke aus, Beinlinge an, Beinlinge aus, usw…
In Carhaix – 1 Station vor Brest – machen wir Schlafpause. Zuvor eine Dusche gegönnt, und dann ab in den 400 Plätze großen Schlafsaal, der zu unserer Ankunft um 23.00 Uhr nur mit etwa 30 Mann gefüllt ist. Zuvor noch bekanntgegeben, wann wir geweckt werden wollen und trotz der Schnarcherei um uns herum ist man nach einmal Umdrehen in einen tiefen Schlaf gefallen. Um 04.00 Uhr werden wir geweckt und der Schlafsaal ist auf einmal bis auf den letzten Platz gefüllt…
Bis Brest herrscht jetzt gutes Wetter und sogar die Sonne lässt sich sehen, nur der Wind nimmt zu.
Auf der Einfahrt nach Brest überholen wir Ferdinand Jung, der zu dem Zeitpunkt auf mich schon 9 Stunden gut gemacht hat und super unterwegs ist.

Ferdinand Jung

Michl

Leider schlägt das Wetter wieder um und die Rückfahrt wird für uns noch nasser als die Hinfahrt. Speziell auf den Stück von Tintenac nach Fougeres (55 km) schüttet es die ganze Zeit wie aus Kübeln -> und das in der Nacht…
Nichts desto trotz kann es einem passieren, mitten in der Nacht in den kleinen Dörfern entlang der Stecke auf Anwohner zu treffen, die einen anfeuern oder gar etwas zu essen oder Kaffee anbieten. Ich bin auf diese Weise zu einer Packung Chips und 3 Schokoladekeksen gekommen…
Eigentlich wollten wir noch bis Villaines la Juhel weiterfahren. Doch wir sind von dem Regen so zermürbt, daß wir schon in Fougeres Pause machen und für 1-2 Stunden in der Kantine auf Sesseln – oder zum Teil auf nacktem Boden ein paar Minuten Schlaf suchen.

Mike

Andreas

Andreas schläft am Boden

Weiter gehts in nassen Sachen. Ab etwa km 750 fängt meine linke Achillessehne zu schmerzen an. Bei jedem Tritt ein stechender Schmerz. Ich schaue mir das etwa 50 km lang an, bis ich mich für eine Schmerztablette entscheide – und die macht ihren Job gut.
Zu allem überfluss fangen jetzt auch noch die Fussohlen – die seit über 50 Stunden in nassen Schuhen stecken – an sich aufzublähen. Dies verursacht bei jedem Druck aufs Pedal einen Schmerz wie von 100en kleinen Nadelstichen.
Andreas hat genau das gleiche Problem wie ich. Das wird von Stunde zu Stunde schlimmer und am Schluss die letzten 2 Etappen nach Dreux und dann ins Ziel nach Paris sind nur noch sehr langsam möglich (obwohl hier die Strecke zusehnds flacher wird).

Kontrolle in Villaines La Juhel

Kurz vor Dreux, meine Kleidung ist zu diesem Zeitpunkt wieder mehr auf der trockenen Seite, komme ich in ein Gewitter.
Triefend nass erreiche ich die Kontrolle. Bei einem Kaffee und einem Schokoriegel mache ich Pause. Eine Belgierin, die mit ihrem Mann auf einem Tandem untrwegs ist, kommt herein. Sie meinte, daß der Regen jetzt aber nicht notwendig gewesen wäre. Darauf entgegne ich, daß es doch egal sei, ob man jetzt 12 oder 14 mal nass wird. Sie sah mich nur erstaunt an und meinte, daß sie – seit sie um 05.00 Uhr am Dienstag gestartet sei – jetzt erst das erste mal nass geworden sei -> wie meinen?? – des kanns aber jetzt ned sein?? Daß der Regen so punktuell niedergeht (und dann immer über mir) kann und will ich mir nicht vorstellen…
Aber egal. Auf meine Mitstreiter gewartet und dann auf nach Paris.
Und ratet mal. Genau, es regnet wie aus Eimern. Der letzte kurze aber knackige Anstieg ist geschafft und auf der Abfahrt 30 km vor Ziel der 3. Vorderraddefekt. Irgendwie bin ich in der Situation psychisch nicht wirklich entspannt…. einmal kurz das Vorderrad angegriffen und ich bin auf den ganzen Händen schwarz vom Dreck, der sich in den letzten 1000 km Regenfahrt an den Bremsen und Felgen angesammelt hat…
Mike hat von meinem Defekt nichts mitbekommen und ist ins Ziel vorausgefahren.
Andreas und ich treffen am Donnerstag um 22.08 Uhr endlich in Guyancourt ein.
Schlußendlich war es eine lange und harte Prüfung, die Bestanden wurde.
Ich habe einmal geschrieben: ‚Ich will für mich nur wissen, physisch und psychisch an mein Möglichstes herangegangen zu sein.‘ – und ich glaube, das habe ich geschafft. Also muß ich mit meiner Leistung zufrieden sein.
Natürlich wäre ich gerne schneller gewesen, und hätte mein mir selbst gestecktes Ziel erreicht, nur das war eben einfach nicht möglich.
Ich will jetzt hier nicht anfangen einzelnen Leuten zu danken, oder zu Ihrer Leistung zu gratulieren. Es sind so viele… – und ich würde aufgrund meines schlechten Namensgedächtnisses wieder einige vergessen…
Also -> Vielen Dank und Respekt an alle!!
See you all at PBP 2011 and/or LEL 2009…
Chapeau Monsieurs, et bon Route!

Ziel

Roswitha, glücklich, die Betreuung hinter sich gebracht zu haben – doppelt Respekt für Dich !!

PeterK will noch einmal fahren… 😉

Das Video „Regen in Frankreich mit Mike und Andreas“ steht nicht mer zur Verfügung.

Menü schließen