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Paris – Brest – Paris 2007 (Peter)

 

ein Bericht mit Fotos von Peter D.

Nachdem ja schon ziemlich viel geschrieben wurde, gibt´s von meiner Seite nur mehr ergänzende Anmerkungen.
Kurz meine Eindrücke:
Nachdem ich voller Zuversicht und erfolgreich die Brevetserie in Linz und Wien absolviert hatte, habe ich mich auf das Ereignis des Jahres wirklich sehr gefreut und mich auch sehr gut dafür vorbereitet – bis zu meinem Sturz mit dem MTB Anfang Juli, bei dem ich mir eine schwere Rückenmarksprellung zugezogen habe.
Die Krönung des Ganzen waren dann plötzlich die 3 Wochen vor dem Start auftretenden Schmerzen im rechten Knie. Das hat mein Konzept irgendwie völlig aus dem Gleichgewicht gebracht und in mir ist große Verzweiflung hochgekommen, wie das nun weitergehen soll – werde ich es schaffen oder nicht ?????
Was soll´s – am 21. August um 05:00 Uhr bin ich neben Gerold Lehmann über die Startlinie gefahren.
Über das Wetter usw. brauche ich wohl nicht weiter berichten – das war ziemlich oars….., ist aber Euch allen längst bekannt.

So, bis 07:45 ist alles gut gegangen – plötzlich – bei einem Anstieg -ein stechender Schmerz fährt durch das rechte Knie – hämmert – sticht – lässt nicht nach – wird bei jedem Tritt stärker.
Die ersten Gedanken – Scheiße – nein, nicht schon wieder – warum schon so früh? – warum ich? – Tränen laufen über die Wangen – nein – bitte nicht – ich will nicht aufgeben……nicht nach 90 Kilometern.
Es beginnt zu regnen – die Regentropfen vermischen sich mit den Tränen – ich fahre langsam weiter.
Ich komme zur ersten Versorgungsstelle – Gerold und Peter K. sind bereits da – Fragen nach meinem Befinden beantworte ich eigentlich nicht, oder nicht sehr höflich – ich drehe mich weg – muß doch keiner meine Tränen der Enttäuschung bemerken.
Ich fahre weiter und finde dann letztendlich irgendwann und irgendwie meinen passenden Tritt und mein Tempo (Voltaren halfen den Schmerz zu lindern und vielleicht hat auch das innige Gespräch mit meinem Knie – „Du Arschloch zwingst mich nicht zur Aufgabe – Duuuuu nicht“ – dazu geführt, den Schmerz zu verdrängen) und ich versuche, so gut es geht, das rechte Knie so wenig als möglich zu belasten.
Bis Brest, also zur Hälfte des Rennes, komme ich immer als Letzter von uns Dreien zur Kontrollstelle, aber ab hier hat sich dann mein zurückhaltenden Fahrstil in meinen Kraftreserven bemerkbar gemacht.​

Ab hier ging es mir von Kilometer zu Kilometer besser.
Meine Knieschmerzen waren zwar ständig da, aber ich hatte sie völlig verdrängt. Letztendlich wollte ich dann den letzten Tag und die Nacht bis ins Ziel nach Paris durchfahren – allerdings hat mein Handy gestreikt, und Roswitha wollte mich ohne jegliche Verbindung nicht alleine in der Nacht fahren lassen.
Umso besser ging es dann am letzten Tag – die letzten 140 Kilometer nach Paris waren eher ein Klacks – auch wenn wir vor Übermut beinah´auf den letzten 70 Kilometern die noch zu fahrenden 1.000 Höhenmeter übersehen hätten.
Plötzlich wieder Tränen – aber diesmal nicht vom Knieschmerz – diesmal vor Freude, es bald geschafft zu haben – Endorphine – Gemütswallungen – Gänsehaut – die Gefühle gehen durch – Leute applaudieren – feuern an – Kinder reichen die Hände zum abklatschen – das Rondeau im Ziel in Guyancourt ist ein Hexenkessel…..
Bravooo Autriche, bravo Autriche….
Müde, aber überglücklich erreichen wir unser Ziel, rollen gemeinsam über die Ziellinie und holen uns den letzten Stempel für das Streckenbuch…..
1.227 km und 10.000 Höhenmeter sind geschafft.
Und auch, wenn auf Grund der enormen Anstrengungen, zusätzlich verschärft durch die widerlichen Wetterumstände, manchesmal in unserem Versorgungsmobil die Spannung untereinander stark zu spüren war, haben wir dieses sportliche Ereignis gemeinsam erlebt und sind zuletzt in einer Einheit ins Ziel gekommen.
@ Gerold, Peter – ihr seid´s klasse Burschen.
Und ich ziehe mit Respekt den Hut vor allen Teilnehmern, die in Guyancourt über die Ziellinie gefahren sind.
Ich werde 2011 wieder an den Start gehen.

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