Paris – Brest – Paris 2007 (Statements)

Gerold:

​Hallo Leute ! Danke für die rege Anteilnahme ! Irgendwann raffen wir uns sicher zu einem bebilderten Bericht auf – das Wichtigste in Kürze :
Eine tolle Veranstaltung, die ganze (landschaftlich aber meist fade) Strecke versprüht eine Aura des Radsports. In den Ortschaften oder von entgegenkommenden/überholenden Autos aus wirst du angefeuert. ​

Die Begeisterung der Franzosen entlang der Strecke war wirklich eindrucksvoll. Mitten in der Nacht im strömenden Regen eine private Verpflegungstation mit Kaffee, Kuchen, Wasser etc. zu betreuen verdient tiefsten Respekt. Und auch auffallend ist die Freundlichkeit der vielen freiwilligen Helfer, die trotz des Ansturms bei den Kontrollen und Verpflegungsstationen immer einen Gruß, eine Verabschiedung und aufmunternde Worte geäußert haben.
Auch von den Veranstaltern tolle Organisation, 5000 durstige/hungige/übermüdete Starter muss man mal auf die Reihe kriegen.
Auf so langen Strecken fährt jeder seinen eigenen Rhytmus, das erklärt auch, warum wir selten zusammen gefahren sind – wenn gewünscht, findet man aber immer wieder Gruppen – mir war das Fahren in der Gruppe mit unbekannten Fahrern zu gefährlich, da waren teils seltsame Manöver (Ausscheren ohne Handzeichen, Queren der Fahrbahn, Einschlafen stehend am Rad mitten auf der Fahrbahn etc.) dabei.
Geschlafen haben wir 2 x 4 und 1 x 3 Stunden – also für PBP-Begriffe recht ausgiebig. Für mich war es (dank Roswitas aufopfernde Fürsorge, die in diesen Tagen auch nicht mehr Schlaf hatte) eher halt eine Gourmet-Reise mit zwischenzeitlichem Radeln.
Das Wetter war wirklich bescheiden (Regen in allen Intensitäten und oft Wind), umso wichtiger war die Betreuung – dadurch konnten wir immer wieder trockene Wäsche anziehen – ein unbezahlbarer Vorteil und ganz großen Respekt vor denjenigen, die PBP ganz auf sich allein gestellt durchgezogen haben.
Dank der vielen Pausen haben wir dann Paris wieder recht frisch (nach PBP – Maßstäben und im Vergleich zu manch anderer/m) erreicht und Michl und ich sind schon wieder in Wien.

Peter (Kmety):

Hallo, Ihr lieben Radsportbegeisterten!
Ich bin gestern aus Paris über den Umweg übers Ländle in Wien angekommen und überwältigt von eurer Anteilnahme – vielen Dank!

Hier mein Bericht: Mir ist es auf dem Weg nach Brest und retour zumeist gut gegangen. Natürlich haben Regenschauer, Dauerregen und heftige Windböen manchmal an den Nerven gezehrt – aber trotzdem stand der Wille zum Finishen über all den widrigen Wetterbedingungen. Die Aussicht, beinahe bei jeder Kontrollstelle unseren guten Geist Roswitha anzutreffen, die immer gute Laune verbreitete und uns mit ihren Kochkünsten verwöhnte (schade, dass es das Grupetto nicht mehr gibt!!) steigerte die Motivation, das Doppler´sche Wohnmobil rasch zu erreichen. Die tolle Stimmung auf der Strecke, wo einem zahlreiche Franzosen (auch bei Nacht und Regen!) Beifall spendeten, gaben einem das Gefühl entgegengebrachter Hochachtung und des Respekts.
Mein Ziel, in Paris zufrieden und eins mit mir anzukommen, habe ich erreicht. Ich wollte bei meiner ersten Teilnahme kein Risiko eingehen und bin deshalb auch nicht ganz an meine Grenze gegangen. Am besten fühlte ich mich während der beiden letzten Etappen vor Brest, wo ich in einen Endorphinrauschzustand verfiel, in dem sich endlose Energien frei zu machen schienen und mir der zeitweise sturmartige Gegen- oder Seitenwind nichts anhaben konnte!
Leider hielt dieser Zustand nicht bis ins Ziel an – im Gegenteil, ich hatte auf 2 Etappen auf dem Weg zurück 2 Einbrüche, nach denen mich Roswitha fast nicht erkannte, so gealtert schien ich zu sein. Meine Rettung war eine Geheimkontrolle, wo es Nahrung gab! 3 Cola und 1 Kaffee halfen mir fürs erste, ein paar km weiter musste ich noch ein Cola mit Schokokuchen nachlegen! Zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon 2 Gels und 1 Bananabread hineingequetscht und fühlte mich dennoch leer!!
Übrigens spuckte mein Polarcomputer einen Enregieverbrauch während der Fahrt über 1232km und 10.000Hm von 21.584kcal aus!
Wenn man da nicht aufpasst, ist man binnen Minuten in einer Unterzuckerung – trifft für alle radfahrenden Menschen zu – außer Gerold (isst zu jeder Tages- und Nachtzeit in jeder Körperlage!!!!!!).
Ein dickes Lob gebührt auch dem Veranstalter, der eine perfekte Organisation auf die Beine stellte mit mehr als ausreichendem Personal, das einem immer freundlich zur Seite stand.
Die Zieleinfahrt in Paris erlebte ich in Trance: Standing Ovations, auch für die 3 in der Österreich-Teamdress nebeneinander einfahrenden Serenos, hinterließen bei mir ein emotional unvergessliches Erlebnis. Wir haben´s geschafft! Ich war gerührt!
Jetzt gilt es, die kleinen Wehwehchen zu heilen ( als Andenken brachte ich ein Riesenfurunkel auf meiner re. Pobacke mit!). Muss ich halt mein Bier bei unseren nächsten Treffen im Stehen zur Brust nehmen, denn Sitzen ist bis auf weiteres nicht möglich!